Als junger Azubi erstand ich 1983, im Alter von 19 Jahren, zufälligerweise meinen ersten Ford Capri. Mein japanischer Kleinwagen hatte urplötzlich den Geist aufgegeben, der Capri war am schnellsten verfügbar und, ganz wichtig, er passte in mein damaliges Budget. Es handelte sich um einen II-er 1.6 von 1976. Bald wurde der Wagen umlackiert, Sportsitze eingebaut und Alufelgen montiert, um dem damaligen automobilen Zeitgeist zu entsprechen. In dieser Zeit infizierte ich mich mit dem „Capri-Virus“. Das führte auch zu großer Begeisterung für kleine Modelle.
Nachdem das Produktionsende des Capri offenbar war, erwarb ich 1987 von einem Bekannten dessen III-er, 2.3 S, Jahrgang 1982. Der Wagen befand sich in perfektem Zustand, denn der einzige Vorbesitzer war in all den Jahren nachweislich nie im Winter damit gefahren.
Seit annähernd 39 Jahren im Besitz
Dieser Capri ist heute noch in meinem Besitz, und ich fahre ihn nach wie vor mit Stolz und großer Freude. Das Fahrzeug ist ungeschweisst, unfallfrei und präsentiert sich größtenteils in Originallackierung. Im Verlaufe der Jahre wurden einige optische Änderungen vorgenommen, technisch ist der Wagen original. Seit 2012 verfügt der Capri über die schweizerische Zulassung als Veteranenfahrzeug und gilt damit sozusagen als „rollendes Kulturgut“.
Als der Ford Capri 1969 sein Debüt gab, kamen schon bald die ersten Miniaturen auf den Markt, ursprünglich als reine Spielzeuge gedacht. Praktisch alle renommierten Hersteller nahmen sich des schnellen Kölners an. Sie schufen eine bis heute fast nicht mehr überblickbare Vielfalt an Modellen. Selbst heute kann es vorkommen, dass ich irgendwo auf der Welt ein Ford Capri-Modell entdecke, dessen Existenz mir völlig neu ist. Bekannt sind mir bis heute rund 260 verschiedene Hersteller, die den Ford Capri als Spielzeug- oder Modellauto hervorgebracht haben.
Mehr als 2.500 Exponate
Seit Anfang der 90er Jahre – also seit mehr als 30 Jahren – befasse ich mich intensiv mit dem Thema Capri „en miniature“. Anfänglich besuchte ich an den Wochenenden oft Modellautobörsen und pflegte zudem regelmäßigen schriftlichen oder telefonischen Kontakt zu anderen Sammlern und Händlern im In- und Ausland.
Bereits 1991 erschien ein von mir verfasster Artikel zu diesem Thema über drei Seiten in der renommierten Zeitschrift „Oldtimer Markt“.
Der Start zum Aufbau meiner Sammlung verlief jedoch gemächlich. Mit der Nutzung des Internets eröffneten sich schließlich neue, bisher ungeahnte Möglichkeiten. Die Welt wurde quasi zum Dorf. Die Anzahl der Capri-Modelle vergrößerte sich schlagartig, und so kam im Verlaufe der Jahre eine sehr ansehnliche Sammlung zustande. Diese besteht aktuell aus über 2.500 Exponaten. Es handelt sich meines Wissens um die weltweit größte Ford Capri-Modellautosammlung, sie ist von beeindruckender Vielfalt. Die Miniaturen stammen aus ganz Europa, USA und Kanada, Asien, Australien sowie Südamerika. Das größte Modell ist ein Tretauto von Leeway in 1:8, bei den Kleinsten im Maßstab 1:180 handelt es sich um Zubehör für die Modelleisenbahn der Spur N. Zu den absoluten Raritäten zählt ein originales Windkanalmodell der Ford Werke aus dem Nachlass eines ehemaligen Ford-Ingenieurs.
Aus eigener Herstellung
Für die Modellautohersteller war der Capri in den 90er Jahren kein Thema mehr. Es wurde zunehmend schwieriger, Miniaturen zu finden. So kamen mein Freund Mario Marti und ich überein, selber als Hersteller aktiv zu werden. Es war 1994 die Geburtsstunde von „Emmy-Models“.
Die kleinsten Capri in Thomas` Sammlung. Eine Auswahl im Maßstab circa 1:180 des Herstellers mbw. Die Modelle sind gedacht als Zubehör für Modelleisenbahnanlagen oder Miniaturlandschaften.
Kurioses Modell im Maßstab circa 1:24, als Werbemodell für die Stadt Detroit, mit einer Schneekugel auf dem Dach. Ein Capri als Werbeträger für die Motor City Detroit.
Mario verfügte über ausgezeichnete Kontakte nach England, wo wir bald mit dem anerkannten White-Metal-Produzenten Peter Kenna ins Gespräch kamen. Dieser fertigte schließlich für uns verschiedene Ford Capri im Maßstab 1:43, den Einstand gab ein I-er 1300 von 1969. Dieser Wagen wurde in einer Auflage von 800 Stück in zwei Farbvarianten produziert.
Geplant war eine ganze Reihe unterschiedlicher Ford Capri in diversen Ausführungen, doch leider verlief die Herstellung sehr harzig. Wohl war die Qualität hoch, doch in zeitlicher Hinsicht kam es immer wieder zu Problemen und langen Verzögerungen. Bald hatten auch namhafte Hersteller wie Minichamps den Ford Capri wieder im Programm und so wurde die Produktion unsererseits eingestellt. Alleiniger Inhaber von Emmy-Models ist heute Mario Marti.
Je umfangreicher meine Sammlung geriet, desto besser erkannte ich den sich stetig wandelnden Zeitgeist und die veränderten Fertigungsqualitäten.
Qualitative Verbesserung
Die ersten Capri-Miniaturen waren noch reine Spielzeuge von geringer Qualität, oft aus Blech gefertigt, später aus Kunststoff. Viele stammen aus Japan (Daiya, Ichiko, Aoshin, Yone und andere). Zeitgenössisch verfügen einige über einen Batteriebetrieb mit Kabelfernsteuerung. Bald kamen qualitativ gute, sehr gelungene Modelle aus Zinkdruckguss (Diecast) auf den Markt. Ein schönes Beispiel ist der ausgezeichnete Ford Capri von Märklin in 1:43.
Bald wurde der Wagen auch auf der elektrischen Rennbahn eingesetzt (Slotcar). Als typische Vertreter gelten hier die Modelle des deutschen Herstellers Carrera, beginnend mit dem I-er RS 2600. In Fernost widmeten sich etwa zur gleichen Zeit verschiedene Produzenten dem Capri als Modellbausatz (Bandai, Otaki, Nitto und andere). Technisch auf der damaligen Höhe der Zeit, überzeugen diese Plastikmodelle durch eine beeindruckende Passgenauigkeit und Detailtreue.
Die Suche geht stetig weiter
Ungefähr ab Anfang der 80er Jahre schliesslich startete der Ford Capri seine Karriere als RC-Modell, mit Elektro- oder Verbrennungsmotor (Graupner, Asahi, Daishin und andere). Mit dem Erscheinen der Ford Capri von Emmy Models war erstmals ein reines Sammlermodell im Angebot. Heute wenden sich wieder einige Hersteller dem Ford Capri zu, jedoch nicht mehr als Spielzeug, sondern als hochwertiges Sammlermodell. Gerade die unterschiedlichen Rennversionen aus der ehemaligen Gruppe 5 finden hohen Anklang, insbesondere im Maßstab 1:18. Der portugiesische Produzent Trofeu hat sich dem I-er verschrieben und präsentierte im Verlaufe der letzten Jahre rund 75 unterschiedliche Varianten im Maßstab 1:43, vornehmlich mehr oder weniger bekannte Rallyeoder Rennversionen. Die Fertigungsqualität ist beeindruckend und die Preise einigermaßen moderat.
Nach wie vor bin ich stetig auf der Jagd nach Ford Capri-Modellen. Auch nach über 30 Jahren hat das Thema für mich den Reiz keinesfalls verloren.
[Text & Fotos: Thomas Emmenegger]



















