Frühjahr 2026. Man freut sich schon wieder auf den nächsten Sommer. Und ich denke an den Sommer 1972. Es geht um Mädels und ein fliegendes Capri-Rad. Kommt mit auf eine Zeitreise!
Es ist bald 54 Jahre her. Mitte Juli 1972. Meine Kumpels Michael und Holger sowie ich selbst cruisten mal wieder durch unsere Heimatstadt Husum. Marktplatz, Neustadt, vorbei am Schwesternwohnheim der Jugendherberge und dann am Hafen entlang.
Nichts los. Also zum Abschluss des Abends kurz zur Stammdisco namens „Casino“. Hinter der Disco war ein Parkplatz mit jeder Menge Platz, aber auch da nichts los. Doch Kontrolle muss sein, also rein in die mutmaßliche Tristesse. Gleich neben der Tanzfläche der erste Tisch ist besetzt. Vier weibliche Personen, alle in Schwarz gekleidet und top gestylt.
Die Mädels waren einfach schneller
Wir hockten uns auf unsere Stammplätze am Tresen mit dem Rücken zur Tanzfläche. Rutschten aber einen Platz nach rechts weiter, so dass Michael auf dem Eckplatz die Beobachtung übernehmen konnte.
Wir waren noch mit einer möglichen Strategie beschäftigt, als eines der Mädchen aufstand und zu uns herüberkam, um mal die Lage zu sondieren. Kurz danach kamen auch die anderen drei Mädels zu uns herüber und es wurde noch ein richtig langer Abend.
Die Mädels kamen aus Frankfurt und machten bei der Oma zwei Wochen Urlaub. Drei Schwestern und eine Freundin. Die Schwestern hießen mit Nachnamen Schwarz und der wirkte sich offensichtlich auch auf ihre Klamotten aus. Nun waren wir also sieben Personen, da ist bei nur einem Capri Aufteilung beim Transport angesagt. Mit zwei Fahrten haben wir das bewältigt.
Ausflug nach Dänemark
Jeden Tag trafen wir uns fortan, gingen ins Kino oder fuhren zum Baden an den Strand. An einem Sonntag machten zwei Mädels und drei Männer einen Ausflug nach Dänemark auf die Insel Römö. Dort waren wir auf dem Strandabschnitt, auf dem heute das Römö Motor Festival stattfindet. Leider haben wir mittlerweile von den Schwestern alle Vornamen vergessen. Klar ist nur, die Freundin hieß Susanne.
Zwei Wochen später hieß es: Abschied nehmen. Weitere zwei Wochen später kam eine Postkarte aus Frankfurt. Der Wortlaut in Kurzform: „Ich möchte euch zu meinem Geburtstag am Freitag um 19 Uhr einladen.“
Ich habe kurz mit Kumpel Micha die Sache gecheckt und angerufen, dass wir nach Frankfurt zum Geburtstag kommen werden. Der Plan war, Freitag um 13 Uhr loszufahren und am Sonntag wieder zurück. So machten wir am betreffenden Freitag um 12 Uhr Feierabend, warfen die Sachen in den Capri und starteten in Richtung Süden. Auf die A7 und dann mal ordentlich Gas geben.
Schon bald begann die Hinterachse allerdings, Geräusche zu machen. Kurz hinter der Abfahrt Soltau Ost verabschiedeten sich dann Rad und Steckachse rechts mit Schwung in die Büsche. Wir schleuderten ein paar Mal hin und her auf der Autobahn und bekamen den Capri schließlich auf dem Standstreifen zum Stehen. Durch den Funkenflug hatte sich das Hinterachsöl entzündet und es fing an zu brennen. Glücklicherweise hielt ein Kleinbus hinter uns an und der Fahrer hatte bereits einen Feuerlöscher in der Hand, um das Feuer zu löschen. Jetzt kurz einmal überlegt und dann ging es auch schon los.
Wagenheber raus und das Auto aufgebockt. Dann das Rad samt Steckachse gesucht und dieses etwa 20 Meter rückwärtig in der Botanik auch gefunden. Zum Auto zurück, Rad von der Achse geschraubt, ein paar Sachen zusammengesucht und dann per Anhalter nach Soltau gefahren. Der Fahrer war sehr nett und hat uns bei Ford rausgelassen. Uhrzeit mittlerweile 17.45 Uhr. In Richtung Frankfurt ging da nichts mehr und auch nicht in der Werkstatt. Am Samstagmorgen um 8 Uhr sollten wir wiederkommen.
Die Nacht verbrachten wir auf einer Bank gegenüber einer Bäckerei. Vorher waren wir noch bei der Polizei und schilderten, was uns widerfahren war. Die Beamten nahmen das zu Protokoll und erklärten uns ganz gelassen, dass der Capri bis zum kommenden Tag ruhig auf dem Standstreifen stehen bleiben könne. Doch reichlich weniger Verkehr, damals.
Am nächsten Morgen machte die Bäckerei auf, wir genossen ein Frühstück und waren dann um 8 Uhr in Werkstatt. Der Kfz-Mann packte jede Menge Werkzeug ein und wir fuhren zum Schrottplatz und konnten eine Achse plus Ankerplatte und Kleinteilen aus einem dort stehenden Capri ausbauen. Mit dieser Beute machten wir uns dann auf zur Autobahn. Nach 90 Minuten stand der Capri wieder auf seinen vier Rädern.
Nun riefen wir in Frankfurt an. Die Antwort war allerdings sehr ernüchternd. Uns wurde mitgeteilt, dass die Damen nun keine Zeit mehr für uns hätten. So konnten wir wieder in Richtung Husum düsen. Wir dachten nur: „Lass´ stecken!“
[Text & Fotos: Welf Hoffmann]








