Die Rheinlandgarage und die rennsportverrückte Famile Brauneiser hier vorzustellen, kommt dem oft zitierten „Eulen nach Athen tragen“ gleich. Firmengründer Gerd Brauneiser ist vielen „Capriristi“ bestens bekannt. Zuletzt war über ihn hier der Artikel "Ein außerordentliches Jubiläum" zu lesen. Zur Jahreswende warteten die Geschäftsführer unseres Partners, Sohn Hans Gerd Brauneiser und Thomas Uhles, mit einer nicht nur für uns wunderbaren Neuigkeit auf.
Gute Neuigkeiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Und so wird es bald auch ein Raunen in der Motorsport-Szene geben.
Der Startschuss fiel im Dezember 2025 bei einer stilvollen Präsentationsfeier im motorsportlichen Ambiente. Denn das Team Brauneiser-Renntechnik/Rheinlandgarage wird zukünftig unter dem wohlklingenden Namen „Kompressol-Racing“ an den Start gehen. Kompressol, da war doch was…
Richtig, als zuverlässiger und treuer Partner in Sachen Schmierstoffversorgung unterstützt die traditionsreiche Firma Kompressol das Team bereits seit mehreren Jahren. Diese Partnerschaft wurde in der letzten Saison gefestigt und wird in 2026, mit einem eigenen Rennteam, seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen. Zusammenkommt, was zusammengehört. Die Kölner Schmierstoff-Manufaktur geht einen Bund mit der Ur-Kölner Motorsport-Manufaktur ein, die bald ihr 50-jähriges Jubiläum feiern wird.
Eine Marke mit großer Tradition
Kompressol selbst kann auf eine mehr als 100-jährige (Motorsport-) Geschichte zurückblicken, die von großen Ereignissen wie dem ersten „ADAC-Eifelrennen“ 1927 (der allerersten Veranstaltung auf dem Nürburgring überhaupt) und glorreichen Namen wie beispielsweise Rudolf Caracciola geschmückt wird.
So wird man in diesem Jahr ausrücken, um die historische Rennszene aufzumischen. Denn es gibt nicht nur einen neuen Team-Namen, sondern auch ein neues Fahrzeug. Der Sinziger Ford Escort RS 2000, der 2025 wirklich gute Dienste erwiesen hat, rückt in 2026 im Startgrid etwas nach hinten und macht den Weg frei für einen wahren Leckerbissen.
Ein 1971er Weslake Ford Capri RS 2600 wird das neue Einsatzfahrzeug für das Team Kompressol-Racing. Damit werden Marc Roessle und Hans Gerd Brauneiser 2026 erneut bei der „Historic Championship ’81“ (FHR HC-81) antreten, um, wie bereits im letzten Jahr, fleißig Punkte zu sammeln. Das Ziel: der Gewinn der Deutschen Historischen Automobilmeisterschaft auf dem RS 2600. Die Weichen sind für dieses Vorhaben gestellt. Ein ambitionierter Plan, der jedoch wohl durchdacht und vorbereitet ist.
Zusätzlich ist geplant, den Escort MK2 mit in den Einsatz zu bringen. Das „Lisa“ getaufte, originale Sinziger Gruppe 1B Fahrzeug wird mit Fahrern wie Rainer Teitscheid, Robert Baumann und Manuel Kern, der von seinem Escort MK1 1300GT auf den 2 Liter-Boliden umsteigt, ebenfalls an Läufen der FHR HC-81 teilnehmen.
Da alle guten Dinge drei sind, gibt es da noch etwas zu verkünden. Das ehemalige Ford Puma Cup-Fahrzeug wird auch wieder mit dabei sein. Simeon Roessle startet, nach steiler Lernkurve in der letzten Saison, erneut durch und kämpft unter anderem im Belcar Historic Cup um Klassensiege.
Zurück zum Capri. Als die Nachricht aus Köln eintraf, kam sofort die Frage auf, ob es sich um das Fahrzeug handelt, welches Gerd Brauneiser im Frühjahr 1971 erwarb, damit rasant unterwegs war und es bis heute sein Eigen nennt. Dem ist nicht so.
Hans Gerd Brauneiser zum neuen „Einsatzwagen“: „Es handelt sich um ein einst privat eingesetztes 1971er Modell, von dem auch noch der letzte FIA-Wagenpass von 1973 existiert. Es war allerdings in einem desolaten Zustand und wurde von uns von Grund auf neu aufgebaut, um eine Replik des 1971er Werksfahrzeugs entstehen zu lassen. Da wir schon mehrere Kundenfahrzeuge aufgebaut haben, ist die Technik für unser Haus nicht das Problem. Zum Glück hatten wir zum Vergleich kürzlich das originale 1971er Fahrzeug von Jochen Mass bei uns, das zuletzt bei Werkseinsätzen im Lucky Strike-Design bewegt wurde.
Von diesem Fahrzeug bekamen wir viele Informationen für Kleinigkeiten wie beispielsweise die Schrift der Armaturentafel, Schnell-Tankdeckel und mehr, um es so detailgenau wie möglich zu bauen. Auch nehmen wir viele Originalteile und keine Repros, die der Senior noch hatte, um es möglichst authentisch aussehen zu lassen.“
Warum nicht gleich der Capri von Vater Gerd aktiviert wurde, beantwortet sein Sohn so: „Der Senior hat sein Fahrzeug jährlich auf den aktuellen Werksstand gebracht. Man hätte daher alles von 1973 zurück auf 1971 bauen müssen. Außerdem wäre es schade, das bis jetzt unfallfreie Fahrzeug auf seine alten Tage noch ins Rennen zu schicken. Aber er hat ausdrücklich seinen Segen für das Projekt gegeben und erlaubt, es zu Demofahrten im Rahmen unserer kommenden Rennen zu nutzen. Dann wird auch Marc Roessle am Steuer sitzen.“
Begleitetes Fahren im Capri
Wie kam es nun zum Austausch des Escort MK2 gegen den Capri MK1 und zu seinem jungen Fahrer Marc Roessle? Hans Gerd Brauneiser: „Nach dem ich mit Marc tausende Kilometer durch Deutschlands Mittelgebirge beim begleiteten Fahren mit 17 Jahren unterwegs war, teilweise mit dem 1973er RS 2600 seines Vaters, war der nächste Schritt die Rennschule mit einem Straßenfahrzeug. In Zolder, Spa und Zandvoort konnte man in diesem Zusammenhang schnell Marcs Talent erkennen.
Weiter ging es mit 18 Jahren beim Belcar Historic Cup auf einem 195PS starken Escort RS 2000 MK2 X-Pack. Das Saisonergebnis: Klassensieg bei den Fahrzeugen bis 2 Liter Hubraum. Eine Saison später folgte der Umstieg auf einen Escort RS 2000 MK1 16V mit über 300 PS. Auch hier folgten ähnliche Erfolge. So haben wir den nächsten logischen Schritt geplant: jenen vom Escort zum Capri.
Im historischen Bereich ist der Deutsche historische Rundstreckenmeister der höchste DMSB-Titel, den man erreichen kann, und wird mit Fahrzeugen bestritten, die einen FIA Wagenpass besitzen. Marc konnte bis dahin auf sämtlichen gefahrenen Rennstrecken einen Sieg vorweisen, ist aber noch kein Nürburgring-Nordschleifen-Rennen gefahren. Die Idee war, zunächst einen Schritt zurück zu machen und 2025 eine Übungssaison mit dem Escort RS 2000 mit nur 186 PS zu absolvieren, bevor es 2026 mit dem Weslake-Capri weitergeht.
Die Saison war viel erfolgreicher als gedacht und Marcs erstes Nordschleifen-Rennen besser als erhofft. So erzielte er den Klassensieg bei den 2 Liter-Fahrzeugen und kam auf den vierten Gesamtrang als erster ,Nicht- 911er´.
Enttäuschend ist es, dass es durch Streitigkeiten um Macht und Geld im Motorsport in dieser Saison weder für die Youngtimer Trophy noch für die FHR Nordschleifen-Rennen geben wird und unsere Vorbereitungen erstmal vergebens waren.
Um Punkte für den Titel holen zu können, muss man ein siegfähiges Fahrzeug bis 1971 haben. In den letzten Jahren waren hier die Porsche 911ST 2,4 Liter das Maß der Dinge. 1971 - da war doch was! Jochen Mass Meister der Deutschen Rundstrecken-Meisterschaft. Dieter Glemser Europameister. Beide auf Weslake Capri. Mit solch‘ einem Capri sollten sich doch wertvolle Punkte sammeln lassen.“
Zuschauen beim CCD-Treffen
Zwar nicht auf der Nordschleife, aber zumindest auf der Grand Prix-Strecke des Nürburgrings wird Marc Roessler im Rahmen der „Historic Championship ’81“ den neu aufgebauten Capri bewegen. Zweimal sogar in den fünf vorgesehenen Rennen. Den Eifel-Auftakt gibt es am 12. Juni (im Rahmen der ADAC Nürburgring Classic und des CCD-Mitgliedertreffens). Auch am 7. August im Rahmen des Oldtimer Grand Prix wird dort gefahren. Die weiteren Termine: 24. April in Spa-Franchorchamps, 11. September in Assen und 25. September erneut in Spa-Franchorchamps.
Im letzten Jahr war nur ein Capri im Rahmen der Rennen bei der Nürburgring Classic am Start. Dies soll sich 2026 ändern. Das Brauneiser-Team besteht aus (von links): Thorsten Bürvenich (Teamchef), Thomas Uhles, Hans Gerd Brauneiser und Marc Roessler.
[Text & Fotos: Rheinlandgarage]








